Aufstand der Approbierten
001
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PRJ 001 · 2023

Aufstand der Approbierten

BilderDesign
FistRoom

Entstanden ist das Bild rund um einen Warnstreik des Marburger Bundes, also zu einem Anlass, an dem Ärztinnen und Ärzte für höhere Gehälter auf die Straße treten. Der Anlass trägt seine Komik in sich. Hier erhebt sich kein Lumpenproletariat, sondern eine Zunft mit Approbation, Eigentumswohnung in Aussicht und ordentlicher Altersversorgung. Und doch greift sie, kaum geht's ums eigene Echtleder-Portemonnaie, nach jener Rhetorik, die einmal von denen geprägt wurde, die wirklich nichts besaßen außer ihrer Arbeitskraft.

Die erhobene Faust ist das älteste Versprechen der Arbeiterbewegung. Von den Barrikaden des neunzehnten Jahrhunderts über den Rotfrontkämpferbund bis zu Black Power und 1968 stand sie für die Entrechteten. Der rote Strahlenkranz, der gnadenlose Schwarz-Weiß-Kontrast, die harten Schablonenkanten – das ist die Grammatik von Konstruktivismus und Agitprop, Rodtschenko fürs Plakatformat. Eine Sprache, die Pathos nicht behauptet, sondern verkörpert.

In diese Ahnenreihe habe ich ein Laryngoskop gehängt. Wo sonst Hammer oder Fahne sitzt, klemmt nun ein Macintosh-Spatel, das Werkzeug, mit dem unsereins morgens um acht Atemwege sichert. Das Instrument entlarvt und adelt gleichzeitig: Der Arbeitskampf der Mediziner ist echt, auch sie verkaufen ihre Zeit (auch die Zeit, die sie in ihre endlose Ausbildung investierten) und ihre Hände. Aber irgendwie …

Als junger Mensch war ich viel im politischen Aktivismus und in der Protestkultur involviert (wie wohl jeder junge Mensch). Da ging es bei der Faust meist um strukturelle Gewalt, Unterdrückung und die großen Gerechtigkeitsfragen, weniger um die Partikularinteressen einkommensreicher Berufsgruppen. Wer den politischen Aktivismus von innen kennt, sieht diese Geste auf dem Bild bei einem Ärztestreik vielleicht mit einer Mischung aus Zuneigung und Spott wieder, sobald sie über Entgelttabellen schwebt. Das Bild will beides halten: den Ernst des Anliegens und das leise Lächeln darüber, mit welchem Vokabular es vorgetragen wird.

Denn lächerlich ist der ärztliche Arbeitskampf nicht. Nur sollte er wissen, dass er die Rhetorik geliehen hat – und sie oft nicht gänzlich ehrlich angewendet wird.



Dieses Bildes wurde ohne Einsatz generativer KI erstellt.

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